GoPro Karma Drohne

GoPro Karma: Faltbarer Quadrocopter

Ende 2016 war es so weit: Die GoPro Karma wurde nach langen Monaten der Geheimnistuerei (und spamartigen Ankündigungsmails in den letzten Tagen) endlich präsentiert. Was sofort aufiel: So weit weg von den Vermutungen hinsichtlich des Aussehens lag man nicht! Trotzdem konnte die GoPro Karma Drohne mit einigen unerwarteten Features überraschen. Leider war in diesen auch inbegriffen, dass die Drohne unkontrolliert abstürzte, was zum vorzeitigen Rückruf führte. Nun, Anfang 2017 kündigt GoPro ein Release der Karma Drohne an. Ob sie sich mit den Bestsellern DJI Phantom 4 (Pro) und DJI Mavic Pro messen kann?

(Re-)Launch & Preis

Für die EMEA-Region war ursprünglich der 23. Oktober als Launchtermin vorgesehen, doch wer sich die GoPro Karma kaufen wollte, musste sich noch einige Zeit länger gedulden. Wohl dem, der mit der Auslieferung nicht bedacht wurde: Er musste sich nicht um die Rückerstattung kümmern! Nun, da die Drohne wieder auf den Markt gebracht wird, zeichnet sich folgendes Bild ab: Mit einem Preis von 999 Euro liegt die Karma in einem stattlichen Bereich, für den man etablierte Systeme wie die DJI Phantom 4 oder Copter von Yuneec erhalten kann. Allerdings: In den 999 Euro ist zwar das Gimbal, aber keine Kamera inbegriffen! Wer sich die neue Version der GoPro Karma angucken oder kaufen möchte, kann das mittlerweile auch über den Amazonauftritt von GoPro tun*. Wie der Firmenseite zu entnehmen ist, werden folgende GoPro Serien mit der Karma Drohne kompatibel sein:

 GoPro Hero 4 Black + Silver
 GoPro Hero 5 Black
 GoPro Hero 5 Session

Puh! Hero 3-Besitzer dürften sich nur schwer von diesem Tiefschlag erholen dürfen. Klar, durch den gemeinsamen Launch von GoPro Hero 5 und dem Karma Quadrocopter war es schon denkbar, dass sie einen Schnitt machen, um die neue Reihe vermarkten zu können. Doch da die Hero 3 zum Hausstand vieler GoPro-Fans gehört hatte man diese als kompatibel erwartet. Zudem hätte man mit der Integration der Hero 3 alle DJI Phantom 2 Besitzer einsammeln können, die seit Jahren auf alter Technik sitzen und über den Launch der Karma an neues Equipment bei, naja, adäquater Kameraqualität gekommen wären.

Geht man folglich von rund 450-500 Euro für eine GoPro Hero 5 aus und addiert diese Kosten zum ohnehin stattlichen Preis der Karma Drohne, kommt man bei circa 1300 Euro (als Set wohl rund 1100€) raus – einer Hausnummer, in der im verbreiteten Consumermarkt vor allem die Phantom-Reihe residiert. Ob sich die GoPro Karma mit den Flaggschiffen DJI Phantom 4 (1049 €*), Yuneec Typhoon H (935 €*) und der verbesserten DJI Phantom 4 Pro (1600 €*) messen kann wird sich allerdings erst bei einem späteren Test zeigen.

Zudem: Durch den verspäteten und maximal unglücklichen Launch der GoPro Karma hatte DJI genug Zeit, weltweite Fans für den Mavic Pro (1199 €*) zu gewinnen. Ob sich die 2017er Version des GoPro Quadrocopters bei scheinbar unveränderten Charakteristiken gegen die faltbare Drohne von DJI behaupten kann, muss bezweifelt werden.

Lieferumfang der GoPro Karma Drohne

Karma is coming – but not alone! Bestellt man sich einen Karma Quadrocopter erhält man:

 Karma Drohne

 Karma Grip

 Karma Controller

 Karma Case

3 Achsen-Gimbal

GoPro Karma: kleine Fernsteuerung mit integriertem Display

 

Bald im Test: GoPro Karma Gimbal

3 Achsen Gimbal der GoPro Karma im Standardset enthalten.

Transport Case der GoPro Karma Drohne

Im Lieferumfang: Transportkoffer für die GoPro Karma.

Karma Grip als handheld Gimbal

Für Filmaufnahmen am Boden: Karma Grip mit GoPro Hero bestücken.

 

Faltbares Design

Vorab war ja immer davon die Rede, dass die GoPro Karma durch ein easy-to-use Design punkten würde. Für den schnellen und sicheren Transport hat das deutliche Vorteile und ist in der Welt der Consumer-UAV mehr oder weniger einzigartig. Durch das Abknicken der Achsen lässt sich die Drohne in das sogenannte Karma Case packen, welches mit Maßen von 54 x 32 x 15 cm fast schon winzig anmutet. Durch diese handliche Größe zielt GoPro auf eine Zielgruppe ab, die sich mit den Problematiken des Transports von Drohne plus Equipment nicht allzu lange aufhalten will und eine einfache, bequeme Lösung wünscht.
Das Thema "easy-to-use" findet sich auch in der Fernsteuerung wieder, dem sogenannten Karma Controller, der wegen seines sehr aufgeräumtes Bedienfelds wohl Neulinge ansprechen soll.

3-Achsen-Gimbal und die Frontkamera

Wie schon geschrieben ist im Preis schon ein 3-Achsen-Gimbal enthalten, das verwacklungsfreie Videos garantiert. Verwackelte, unsaubere Aufnahmen können insbesondere durch von den Motoren ausgelöste Vibrationen und Windeinflüsse entstehen. Wie gut dies gelingt wird sich im späteren Test zeigen, doch ist die generelle Integration einer solchen Kamerahalterung für Kunden sehr entgegenkommend. Durch einen maximalen Neigungswinkel von 90° ermöglicht das Gimbal der GoPro Karma spannende Video-Sequenzen, insbesondere bei Überflügen.

Im Vergleich zu anderen Drohnen dieser Preisklasse, wie beispielsweise der DJI Phantom 4, der Typhoon H oder der 3DR Solo, ist die Kamera bei der GoPro Karma (wie auch beim DJI Mavic Pro) nicht unterhalb des Multicopters angebracht sondern befindet sich in der Front. Durch diese geschickte Positionierung erscheinen die Achsen und Motoren nicht im Bildausschnitt – ein Problem mit dem Weitwinkel-Objektive bisher zu kämpfen hatten

Karma Grip – Integriertes Handheld Gimbal

Möchte man Bodenaufnahmen machen, besteht die Möglichkeit, ein Handheld Gimbal, das sogenannte Karma Grip zu verwenden. Dieses befindet sich ebenfalls im Standardset und muss nicht separat bestellt werden. Für Hobby-Filmer und Gelegenheitspiloten (mit großem Geldbeutel) ist das eine ideale Lösung und wiedermal ein Punkt zum Thema "auspacken und filmen".

Kein collision avoidence / optical follow mode?

Bei der Präsentation wurde das Thema der visuellen Erkennung von Hindernissen und zu folgenden Objekten nicht thematisiert. Als für den Actionsport ausgelegte Selfie-Drohne müsste Karma eigentlich über solche Features verfügen, um POI (Point Of Interest)-Flüge ermöglichen zu können. Da GoPro im Dezember 2015 den in Zürich ansässigen Sensorhersteller Skybotix kaufte, ging man bisland davon aus, dass Karma über eine optische Erkennung verfügt, die erkennt, welchem Ziel gefolgt werden und welchen Hindernissen dabei aus dem Weg gegangen werden muss.
Insgesamt ist der Aspekt der follow-Funktion nicht wirklich klar geworden. Keine tracking device, kein optical follow – es ist anzunehmen, dass GoPro in diesem Bereich zum Relaunch 2017 nachsteuern muss und wird. Das Konkurrenzprodukt aus Fernost, der DJI Mavic Pro – ebenfalls ein faltbarer Quadrocopter – verfügt über all diese Features. Ich bin selbst Besitzer der Drohne und begeistert von der Funktionalität und der Handlichkeit. Im Bericht zum DJI Mavic Pro Test zeige ich warum.

Meine Meinung zum GoPro Karma Relaunch

Insgesamt finde ich die Ankündigungen zum Relauch der Karma Drohne nicht schlecht, muss jedoch zugeben, dass ich nach den langen Monaten eine hohe Erwartungshaltung habe. Einerseits muss GoPro die schwerwiegenden Fehler korrigiert haben, die zum Absturz der Quadrocopter geführt haben, andererseits müssen Keyfeatures implementiert werden. Für Freizeitpiloten und Hobbyfilmer ohne Anspruch auf tiefere Kenntnisse im Multicopter-Bereich mag das all-inclusive Set (exklusive der Kamera) einiges zu bieten haben, doch werden sich viele vom weiterhin hohen Preis abschrecken lassen.

Hinsichtlich der Drohnen-Community, die auf Systeme setzt, die sich über Jahre am Markt etabliert haben, werden sich vorab nur schwerlich Angaben machen lassen. Ich befürchte allerdings, dass die Nintendo-Optik und easy-to-use-Mentalität hier nur auf begrenzten Zuspruch treffen werden. Gerade der Aspekt der Steuerung und der fehlenden Features wie follow mode und obstacle avoidence lassen Karma bisher etwas unvollendet aussehen und viele Kunden in die Arme von DJI treiben, die mit dem Mavic wieder einmal Standards setzen.