Von: Sebastian, Datum: 22.05.2016

Nachdem in Teil 1 und 2 der Informationsreihe Drohnen näher beleuchtet und Definition wie Funktionsweise erläutert wurde, beleuchtet Teil 3 die Anwendungen ziviler Drohnen und Multicopter. Diese können sehr unterschiedlich ausfallen und sind seit Jahren ein wertvoller Bestandteil der Industrie.

Hobby-Copter vs. Profi-Systeme

Bevor die einzelnen Drohnen-Anwendungen aufgelistet werden, sollte vorab klar sein, dass sich Einsteigermodelle und professionelle Drohnen sehr unterscheiden. Während die kleinen Mini-Drohnen nur für Videoflüge genutzt werden können und hauptsächlich dem Vergnügen dienen, sind große professionelle Multicopter bedeutend komplexer und kostspieliger. Mehrere tausend Euro sollte man beim Kauf einplanen, wobei möglichen Anwendungen und maximalen Preisen kaum Grenzen gesetzt sind.

Drohnen-Anwendungen: Am Anfang war die Luftaufnahme

Die naheliegensde Verwendung eines Multicopters ist natürlich die Erstellung von Luftaufnahmen. Diese können unter anderem für Werbe- und Marketingzwecke genutzt werde und sind bei Maklern ebenso beliebt wie bei Hotelbetreibern. Für viele ist eine Drohne mit Kamera eine günstige Art, Bilder mit erhöhtem Informationsgehalt zu erlangen, wobei der Multicopter hier seinen Kosten- und Flexibilitätsvorteil gegenüber manntragenden Systemen (z.B. Helikopter) ausspielt. Schon mit kleinen Actionkameras (Stichwort Drohne für GoPro) können hier ausreichende Aufnahmen erlangt werden.

Inspektion: Beliebte Anwendung einer Drohne

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie sind Betreiber einer Brücke und müssen die hohlen Pfeiler alle paar Jahre von außen und innen warten. Nun haben Sie die Möglichkeit Industriekletterer und Gerüstbauer zu engagieren, die über Wochen jeden Pfeiler einzeln erklimmen, um sich ein Bild von der Betonsubstanz/ Korrosion zu machen. Oder Sie buchen die Dienste eines professionellen Drohnen-Piloten, der innerhalb weniger Stunden dank leuchtstarker LEDs und hochauflösender Spiegelreflexkameras innen wie außen Bilder machen kann.

Dieses Beispiel ist reell, zumal beispielsweise die Deutsche Bahn jedes Jahr zahlreiche Brücken warten muss und zur Kosten- und Zeitersparnis Multicopter einsetzt. Gleiches gilt für Energiekonzerne, die Überlandleitungen und Strommasten schnell wie günstig überprüfen und so die Kosten für Instandsetzungsarbeiten drastisch reduzieren können.

Filmaufnahmen: Drohne zum Filmen

Wer mit wachem Auge Tatort und Co verfolgt, wird hin und wieder typische Drohnenflüge erkennen können. In den letzten Jahren sind immer mehr Fernsehanstalten dazu übergegangen, Multicopter mit Kamera für Überflüge und Perspektiven aus mittlerer Höhe zu verwenden und auch beim Thema Sportereignisse tut sich viel: So soll zum Beispiel die Formel 1 testweise über Drohnen-Einstellungen neue Einsichten erhalten und auch bei Oldtimer-Ralleys finden Kopter vermehrt Anwendung.

Als gelungene Überleitung seien besonders Imagefilme genannt, die unter anderem größere Autokonzerne von Wettfahrten, Fan-Treffen und ähnlichem machen. Gleiches gilt für Messebetreiber.

Überwachung: Das Auge aus der Luft

Im Grunde genommen ist man sich einig, dass dieser Punkt eher mit Bauchschmerzen verbunden ist. Keiner möchte als unbehelligter Bürger aus der Luft beobachtet werden – und eigentlich sollte dies auch nicht vorkommen. Drohnen finden in der Überwachung nämlich seltener Anwendung als man denkt, da der Einsatz in der Nähe von Menschenansammlungen nur unter Auflagen genehmigt wird. Trotzdem werden Multicopter eingesetzt, um Grafiti-Künstlern Einhalt zu gebieten, beispielsweise im Gleisbereich.

Auch eingezäunte Gebiete, die sehr auf ihre Sicherheit achten müssen (z.B. Kraftwerke), können zur Überwachung der Grenzen Drohnen einsetzen. Mit einem GPS basierten Wegpunktflug können die Multicopter dann automatisch ihre Runden drehen und nur zum Aufladen zum Stützpunkt zurückkehren. Aufgrund des hohen Energiebedarfs und der enormen Kosten für Hochleistungsakkus ist mir ein solcher Dauerbetrieb aber bisher nicht bekannt.

Drohnen-Anwendungen: Thermographie

Wurden bisher nur typische Video- & Foto-Anwendungen einer Drohne dargelegt, geht es nun um Thermographie/ Wärmebild. Da man bei einigen professionellen Systemen problemlos die an der Kamerahalterung angebrachten Gerätschaften wechseln kann, eignet sich die Drohne auch dafür Wärmebilder anzufertigen. Diese sind beispielsweise für Energieberater interessant (ein Großteil der Wärme entweicht durch das Hausdach) und kommen auch innerhalb großer Produktionsanlagen zum Einsatz, um beispielsweise Leckagen auf den Grund zu gehen.

Um mit einem Mythos aufzuräumen: Eine Thermographie-Kamera kann nicht durch ihr Fenster hindurchsehen: Es erscheint als blaue Wand.

Drohnen-Anwendung: Vermessung

Eine der am stärksten wachsenden Anwendungen für Drohnen ist der Bereich der Vermessung/ GIS. GIS steht für Geoinformationssysteme und kommt überall dort zum Einsatz, wo Menschen erfahren wollen, wie die Gegend um sie herum beschaffen ist. Eine typische Anwendung wäre der Bau eines Staudamms, bei dem vorab geklärt werden muss, wieviel Wasser – und damit Druck – sich hinter der zu bauenden Mauer aufstauen wird. Mittels Drohne lässt sich ein 3D-Modell erarbeiten und so das Volumen berechnen. Kongruent verhält es sich im Tagebau einer Miene.

Auch bei Stadtplanern und Städtebauern ist dies zunehmend ein Thema, da sich durch kostengünstige Flüge detaillierte 3D-Modelle anfertigen lassen können.

Drohnen-Anwendung: Messungen aller Art

Vom Industriewerk in Deutschland bis ins ferne Fukushima: Überall kommen Drohnen zu Messungszwecken zum Einsatz. In Fertigungshallen können die Multicopter beispielsweise mittels Schallsensoren Druckluftlecks präzise ausfindig machen, während sie in Fukushima gerade mit Geigerzähler die Stahlung messen. Analog lässt sich mit einer Drohne so ziemlich alles messen was man möchte – und das von weit weg. In den meisten Fällen ein sehr gutes Argument.