Von: Sebastian, Datum: 12.05.2016
Immer mehr Hersteller von Multicoptern präsentieren aktuell ihre sogenannte "Selfie-Drohne". Diese neue Sonderform unterscheidet sich prizipiell nicht sehr von normalen handelsüblichen Drohnen, die in den letzten Jahren einen wahren Boom erlebten. Durch ihre Fähigkeit des autonomen Flugs und der objektbezogenen Videofunktion bergen die Selfie-Copter jedoch reichhaltiges Potenzial und könnten im Bereich der Consumer-Drohnen das nächste "große Ding" sein. Was Sie zu Selfie-Drohnen wie Lily Camera, Hexo+, DJI Phantom 4 und GoPro Karma wissen müssen, welche die erste selbstständig folgende Drohne war und für wen sich eine Selfie-Drohne überhaupt lohnt, erfahren Sie hier.

Durch technische Entwicklungen im Bereich der Sensorik und Robotik sind Multicopter immer mehr in der Lage ihre Umgebung wahrzunehmen und eigenständig darauf zu reagieren. Damit werden sie einerseits für neue Zielgruppen interessant, andererseits ergeben sich durch den autonomen Flug ganz neue Anwendungsfelder. Die Selfie-Drohne im Speziellen ist ein Resultat beider Punkte, da sie für Personen interessant wird, die vorher wenig mit Multicoptern und deren Steuerung zu tun hatten, nun jedoch zwecks Selbstdarstellung die Vorzüge einer folgenden Drohne genießen will. Das Prädikat "folgende Drohne" kann man wörtlich nehmen: Beim Einsatz eines entsprechenden Copters ist keine RC-Fernsteuerung nötig – die Drohne folgt dem definierten Objekt und macht gleichzeitig Videoaufnahmen.

Warum Selfie-Drohnen kommen mussten

Hinsichtlich des begrifflichen Ursprungs muss man wohl keine vielen Worte verlieren: Dem Englischen "Selfie" (Selbstportrait) im Hanybereich entlehnt, wird die Idee auf Drohnen augeweitet, was schlichtweg bedeutet, dass man sich selbst vom Copter fotografieren oder filmen lässt. Das ist natürlich ein alter Hut und jeder Hobbypilot hat mindestens ein Luftbild von sich.
Neu ist allerdings, dass man nicht nur Luftaufnahmen von sich aufzeichnet, sondern Luftaufnahmen von sich während man etwas Anderes macht – zum Beispiel Snowboarden oder Kajak fahren oder ... Da man sich bei diesen Tätigkeiten gerne filmen würde und man natürlich keine 2 Hände für die Steuerung des UAV (Unmanned Aerial Vehicle) frei hat war die selbst folgende Drohne – oder auch Selfie-Drohne – nur eine Frage der Zeit.

Welche Selfie-Drohnen gibt es?

Innerhalb der letzten Jahre ist der Markt der Selfie-Drohnen rasant gewachsen und ist heute nicht mehr nur von Nischenherstellern und Startups besiedelt sondern wird zunehmend von Platzhirschen wie DJI besetzt. Mit dem DJI Phantom 4 Quadrocopter und dem DJI Mavic sind dank visual tracking auch Selfie-Aufnahmen möglich, wobei das bei der Drohne aus Fernost eher Bei- als Hauptwerk ist. Als Spezialisten für Selfie-Drohnen gelten Projekte wie die Lily Camera Drone, Hexo+, Nixie oder die Airdog Drohne.
Während sich viele Projekte noch in der Start- und Testphase befinden ist vor allem der Hexo+ Hexacopter als Selfie-Drohne am Markt erhältlich. Noch unbestätigt ist, ob die GoPro Drohne Karma ebenfalls ein selbst fliegendes Modell wird, das für Selfie-Aufnahmen herhalten kann. Anzunehmen ist es.

Folgende Drohne ohne Steuerung? So geht's

Da der eigentliche Clou einer Selfie-Drohne ja darin liegt, dass man sich bei einer möglichst eindrucksvollen Tätigkeit filmen lassen kann – natürlich aus der Luft und ohne aktives Steuern – müssen die Drohnen wissen, welchem Objekt sie folgen müssen. Hierfür gibt es aktuell mehrere Methoden, die unter anderem eine sogenannte tracking device beinhalten. Diese ist besonders von der Lily Camera Drone bekannt und kann dort wie eine Uhr in einem Armband getragen werden. Durch diese Bindung von Multicopter und tracking device können wichtige Parameter wie Bewegungsrichtung, Geschwindigkeit, Beschleunigung usw. aufgezeichnet und an die folgende Drohne übermittelt werden. Das UAV weiß dann, wie schnell sich der Träger (und damit das Filmobebjekt) bewegt, wohin es geht und wie groß der Abstand ist. Per Voreinstellung kann man bei hochpreisigen Modellen festlegen, in welcher Entfernung die Drohne folgen soll und aus welcher Richtung Luftaufnahmen gemacht werden sollen.

Eine andere Möglichkeit hat DJI mit dem Phantom 4 Quadrocopter vorgestellt, der ja per se keine reine Selfie-Drohne ist, aber diese Funktion durchaus beherrscht. Während andere, meist günstigere, Hersteller auf die angesprochene tracking device setzen, weiß sich die Phantom 4 Drohne anhand visueller Datengenerierung zu orientierung. Beim sogenannte visual tracking definiert man vor oder während des Fluges ein Zielobjekt, wobei die Software anhand der Objektgröße, Form, Farbe usw. Identifikatoren festlegt.

Obejkterkennung, Abstürze und robuster Aufbau

Wer eine selbststeuernde Drohne einsetzen möchte, sollte entweder ein Modell mit Objekt- und Hinderniserkennung kaufen, oder sich eine möglichst leichte Fluggegend suchen – ansonsten wird jeder Ast zur veritablen Absturzgefahr. Diesen Umstand erkennend setzen Hersteller für eine günstige Selfie Drohne auf robuste, leicht zu ersetzende Materialien und Frames. So soll die Selfie-Drohne im Fall eines Crashs vor fatalen Schäden an der sensiblen Elektronik bewahrt werden.

Alternativ gibt es mit der Hexo+ Drohne, der Lily Camera oder der Phantom 4 auch die Möglichkeit, einen Multicopter mit Objekt-/ Hinterniserkennung und entsprechender Ausweichfunktion zu kaufen. Zwar haben die vorher angesprochenen Selfie-Drohnen oftmals auch eine Art Hinderniserkennung, doch ist das System günstig gehalten und eher für den einfacherern Hobbybereich gedacht.

Was kostet eine Selfie-Drohne?

Wer eine Selfie-Drohne kaufen möchte, muss sich darauf gefasst machen, einige Hundert Euro auszugeben. Der Hexo+ Hexacopter kostet aktuell rund 1000 Euro, die Lily Camera soll für grobe 500-1000 Euro erhältlich sein, die DJI Phantom 4 kostet gute 1300 Euro.

Wer es günstiger haben möchte muss natürlich auf viele (sicherheitsrelevante) Funktionen verzichen und deutliche Abschnitte im Bereich Videoqualität machen – dürfte allerdings auch mit gut 300 Euro fündig werden.

Inwiefern diese Winzlinge dann für Outdooranwendungen wie Kajak fahren, Ski, Snowboarden, Mountainbiken, Klettern usw geeignet sind, sollte kritisch betrachtet werden. Wer sich bei solchen "rauen" Tätigkeiten filmen lassen und dafür eine selbst folgende Drohne einsetzen will, sollte nicht auf den günstigsten Preis achten.

Das Thema Sicherheit

Wie sich Selfie-Drohnen in den Rahmen der gesetzlichen Vorgaben einfügen, dürfte noch interessant zu betrachten sein: Einerseits werden vermehrt fachfremde Personen zu Käufern, die keine oder wenig Vorkenntnis haben, was Akku-Leistung, Flugverhalten etc. angeht. Zudem basieren vor allem günstige Selfie-Drohnen auf Bluetooth-Verbindungen, was vor allem im innerstädtischen Bereich leicht zu Störungen führen kann.

Andererseits bietet die Natur der Selfie-Drohne reichlich Anreize des Missbrauchs, schließlich muss jede Drohne zu jeder Zeit vom Piloten kontrollierbar sein.