Ryze Tello Drohne Test: Kaufen oder nicht kaufen?

Die Tello-Drohne ist eines der UAV-Highlights 2018. Warum? 13 Minuten Flugzeit, gute Features und Flugfunktionen, Steuerung per App und Controller, sowie eine hochauflösende 5 Megapixel-Kamera — und das alles für etwas mehr als 100 Euro.
Was sich hinter dem Tello Quadrocopter verbirgt, wie er sich im Vergleich zu anderen Mini-Drohnen für Einsteiger schlägt und welche Rolle DJI dabei spielt:

Ryze Technology, DJI, Intel: gebündelte Kompetenz

Bei der Entwicklung der Tello-Drohne hat sich der Hersteller Ryze Technology mit Branchenprimus DJI und dem Chiphersteller Intel zusammengetan. Für diejenigen, die neu in der Multicopter-Welt sind, sei gesagt, dass Intel in den letzten Jahren ein big player auf dem UAS-Markt geworden ist und unter anderem mit Ascending Technologies (Falcon 8, Octocopter) und MAVinci (Fixed Wing) zwei deutsche Hersteller von professionellen UAV gekauft hat. 
Vor diesem Hintergrund sind Chips und Recheneinheiten der Amerikaner zu einem wiederkehrenden Element in hochwertigen Drohnen geworden.
 Neu ist indes, dass DJI Hardware und Software für Fremdfirmen bereitstellt, insbesondere im Bereich der günstigen Einsteiger-Drohnen. Beim Tello Copter liefert DJI jedoch Technologie, die die Flugstabilität erhöhen soll, weswegen die Drohne zwar nicht als DJI-Drohne, wohl aber als eine der hochwertigsten Drohnen um 100 Euro zu bezeichnen ist.

Lieferumfang: Das bekommt man für sein Geld

Lieferumfang der Tello Drohne
  • Tello Drohne
  • Akku
  • 4 Ersatzpropeller
  • Schutzrahmen

Der Quadrocopter kommt, wie es sich für Mini-Drohnen gehört, in einer schlichten Verpackung. DJI-typisches Apple-Design in schickem Weiß ist hier jedoch nicht zu finden: Transparent und unaufgeregt wird die Tello-Drohne geliefert, wobei kleine Markenlabels auf die dahinterstehenden Giganten verweisen.
Hinsichtlich des Lieferumfangs bekommt man alles, was man zum sofortigen Start benötigt: Akku einlegen, per App mit dem Smartphone verbinden, los geht’s. Auch die Propeller sind bereits aufgesetzt, weswegen man keinerlei handwerklichen Verrenkungen anstellen muss, um die Drohne startklar zu machen.

So sieht die Tello-Drohne aus

Ryze Tello Quadrocopter in Weiß
Akku-Schacht der Tello-Drone

Optisch kommt der Miniquad wie eine Mischung des DJI Spark und des Parrot Mambo daher, Drohnen, die mir beide sehr gut gefielen. Das Design ist edel, schlicht und erinnert stark an die typische DJI-Optik, wobei man sich die Achsen wohl vom besagten Parrot Mambo abgeguckt hat. Je nach Gusto kann man bei der Bestellung auf drei verschiedene Farben zurückgreifen: Gelb, Weiß und Blau.

Technische Daten des Ryze Tech Tello

Maximale Flugzeit: gute 13 Minuten
Maximale Reichweite: 100 Meter (WIFI)
Maximale Flughöhe: 10 Meter
Maximale Geschwindigkeit: rund 29 km/h
Gewicht: 87 Gramm (keine Plakette notwendig)
Akku: 1100 mAh, 3,8V LiPo
Kameraauflösung: 5 MP, 1280p x 720p (HD) bei 30 fps

Das kann die Kamera des Ryze Tello

Für eine Mini-Drohne kommt die Tello-Drohne mit einer wuchtigen 5 Megapixel Auflösung daher. Fotos lassen sich mit 2592 x 2936 Bildpunkten aufzeichnen, Videos in HD-Qualität mit 1280 x 720 Pixeln bei 30 fps (Bildern pro Sekunde). Das ist weit mehr als die meisten anderen Konkurrenten bieten, auch wenn deren Abmessungen bedeutend größer sind.
Leider kann aufgrund des niedrigen Preises keine Kamerahalterung (z.B. Ein 2-Achsen-Gimbal wie beim DJI Spark oder ein 3-Achsen-Gimbal beim DJI Mavic Pro oder DJI Mavic Air) mitgeliefert werden. Man muss also beim Filmen auf eine starre Kamera zurückgreifen. Im Vergleich mit anderen preiswerten Drohnen um 100 Euro ist das aber der Normalfall und prinzipiell nicht schlimm. Man muss jedoch ein wenig üben und ein Gefühl dafür entwickeln, was im Sichtbereich der Drohne ist. Auch könnten Videoaufnahmen schnell verwackelt werden, wenn zu unruhig geflogen wird.
Damit dieses Problem nicht zu groß wird hat der Ryze Tello eine sehr gute Flugstabilität, an der DJI maßgeblichen Anteil trägt.

VPS solgt für hohe Flugstabilität

Sensoren und Kamera der Tello Drone

 

Kleine Drohnen haben ja in der Regel kein eingebautes GPS-Modul und damit keine Positionierungshilfe für Piloten. Dadurch werden Flüge mitunter etwas „holprig“ und das saubere Schweben zur Herausforderung. Manche kleinen Copter, wie beispielsweise der Parrot Mambo, haben jedoch neben einem Barometer auch Ultraschallsensoren an der Unterseite, die die Flugstabilität erhöhen.
Die Ryze Tello Drohne geht jedoch noch einen Schritt weiter und hat neben Barometer und Infrarotkamera noch eine zusäzliche Kamera an der Unterseite. Dieses VPS (Visual Positioning System) ist bereits von DJI-Drohnen wie dem Mavic Pro bekannt und sorgt für eindrucksvoll ruhiges Schweben auch ohne stetiges Nachjustieren der Sticks. Dadurch eignet sich die Tello-Drohne sehr für Neulinge und Anfänger, die gerne ein wenig fliegen und filmen wollen.

Mit einer maximalen Flugdistanz von 100 Metern (begrenzt durch WIFI-Signalstärke) kann man den Ryze Tech Copter gut und gerne für Ausflüge in Garten, Wald und Wiese nutzen. Die maximalen 29 km/h sind ganz schön zackig und sorgen für viel Spaß und Freizeitvergnügen. Wirklich stark sind im Vergleich zu anderen kleinen Einsteigermodellen die sagenhaften 13 Minuten Flugzeit. Das ist rund das Doppelte anderer Drohnen.

Smartphone oder Gamepad: So steuert man den Ryze Tello

Wie aus dem Lieferumfang ersichtlich bekommt man beim Kauf der Drohne keine passende Fernsteuerung beigelegt. Der Hintergrund ist, dass sich der Quadrocopter auch bequem per Smartphone steuern lässt. Dafür muss eine kostenlose App heruntergeladen werden, die eine WIFI-Bindung zwischen Smartphone und Drohne herstellt. In früheren Testberichten, wie beispielsweise dem Test des Parrot Mambo, habe ich dargelegt, wie gut oder schlecht diese Displaysteuerung funktioniert.
Für diejenigen, die gerne eine physische Fernsteuerung in den Händen halten wollen (wie ich), gibt es auch die Möglichkeit einen speziellen Gamepad-Aufsatz zu kaufen. Dieser hat zusätzliche Tasten, die teilweise frei belegt werden können.

Interessante Flugmodi: Spielerei oder nützlich?

Neben den zwei Geschwindigkeiten (slow & fast) hat der Ryze Tello Quadrocopter 6 Flugmodi im Gepäck, die auf Knopfdruck von der Drohne automatisch ausgeführt werden:
Bounce Mode: Die Drohne fliegt auf und ab, wobei sich die Höhe anhand der VPS und Ultraschallsensoren errechnet.
8 Flip: Der Ryze Tello rollt rechts- oder linksseitig um die eigene Achse, praktisch ein seitlicher Salto.
Throw & Go: Wirft man den Tello in die Luft, fängt und stabilisiert sich dieser automatisch selbst. Ähnliche Tricks sind bei hochwertigen Mini-Drohnen auch händisch möglich, beispielsweise bei meinem bisherigen Favoriten dem Blade Nano QX.
EZ Shots: Automatisch ausgeführtes 360 Grad Video, was für eine Drohne dieser Preisklasse ziemlich cool ist.
Circle: Kreisflug
Up & Away: Der Ryze Tello fliegt rückwärts weg und gewinnt an Höhe. Dabei wird ein Video aufgezeichnet. Diesen Flugmodus hat DJI im DJI Mavic Air etwas anspruchsvoller umgesetzt und Asteroid genannt.

Fazit zum Quadcopter

Alles in allem dürfte der Ryze Tello die beste Mini-Drohne 2018 werden. Der Quadrocopter selbst macht einen sehr guten, hochwertigen Eindruck und wirkt, als habe sich endlich ein Hersteller daran gemacht, eine ordentliche Low-Budget-„Kameradrohne“ auf den Markt zu bringen. Mit echten 4K-Drohnen haben weder Features noch Videoqualität etwas gemein, der easy-to-use-Ansatz ist aber eindeutig zu erkennen. Die hohe Flugzeit von 13 Minuten sind für Einsteiger wie erfahrene Piloten ein Genuss, die Höhenhaltung, die Flugmodi und nicht zuletzt das VPS runden die Sache ab.
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Für alle, die sich 2018 eine günstige Mini Drohne kaufen wollen, ist die Ryze Tello Drohne definitiv ein heißer Tipp!

Ryze Tello Drone

Ryze Tello Drone
9.2

Preis-Leistung

9.0 /10

Einsteiger-Drohne

9.5 /10

Kamera

9.5 /10

Ausstattung

8.5 /10

Verarbeitung

9.5 /10

Pro

  • 5 MP Kamera
  • VPS
  • hochwertige Verarbeitung
  • App-Steuerung
  • Hohe Flugzeit