Soll ich die Drohne mit nach Vietnam nehmen oder nicht? Was muss man beachten und wie bekommt man eine Genehmigung/ Erlaubnis? Glaub mir, diese Fragen haben mich schier in den Wahnsinn getrieben.

Vietnam ist herrlich schön, sattes Grün, tolle Berge, Meer, Sonnenuntergänge, menschenleere Gegenden — die perfekte Kulisse zum Drohne fliegen.

Vietnam ist aber auch ein Land, dessen kommunistisches Flair gerade beim Thema Copter abschreckend wirkt. Viele Regelungen und Prozedere sind unklar, die Antragstellung auf Erteilung einer Flugerlaubnis im bestenfall „undurchsichtig“.
Ich habe mich schlussendlich dazu entschieden, meine DJI Mavic 2 Pro auf meine Asienreise – und damit nach Vietnam – mitzunehmen und möchte hier meine Erfahrungen teilen. Vielleicht helfen sie Dir.

Mein Reiseplan: 30 Stunden Zugfahrt wegen der Drohne

Ein kurzes Wort vorab: Solltest Du eine Drohne im Gepäck haben, vermeide auf Deiner Vietnamreise unbedingt den Flughafen von Danang (oder Da Nang)! Warum erfährst Du gleich.

Meine Weltreise habe ich in Vietnam gestartet. Von Frankfurt ging es Anfang Dezember nach Ho Chi Minh City (Saigon) im Süden des Landes. 5 Wochen hat die Reise in den Norden gedauert, mit Stopps in Can Tho (Mekongdelta), Con Dao, Hoi An, Hue, Ninh Binh (Tam Coc, Trang An), Cat Ba, Halong Bucht und final Hanoi, von wo es nach Thailand ging.

Diese Reise habe ich größtenteils mit dem Zug und Bus bewältigt. Geflogen bin ich: Can Tho-Con Dao, Con Dao-Ho-Chi-Minh-Cirty (Saigon), Hanoi-Bangkok. Dass ich alleine für die Strecke Ho Chi Minh City – Danang (das nahe dem Must see Hoi An liegt) 17 Stunden Zugfahrt auf mich genommen habe, lag daran, dass Danang Airport eine No Go Area für Copterpiloten ohne Genehmigung ist.

Im Gegensatz zu allen anderen Flughäfen, wird hier wohl die Drohne konfisziert und „bis zur Ausreise verwahrt“. Da quasi niemand aus Danang (in der Mitte des Landes) ausreist, lassen viele ihre konfiszierte Drohne für immer dort. Ich habe jedoch auch einen anderen Piloten getroffen, der über Danang Airport mit seiner DJI Spark eingereist ist und keine Probleme hatte. Mir war das Risiko meine professionelle Kameradrohne konfisziert zu bekommen zu groß.

Vietnamesische Flughäfen und Airlines und ihr Umgang mit Drohnen

Flughäfen in Vietnam waren nie ein Problem, wenn die Securitymitarbeiter mal beim Scannen gucken, dann aus Interesse. „Wow, flying camera“, war das einzige, was ich bei locker 10-15 Checks gehört habe. Im Security Check entnehme ich der Drohne immer den Akku, der zudem auf 70% entladen ist. Das war früher die sicherste Ladekapazität und Empfehlung von Airlines (jahrealtes Wissen).
Je nach Airline kann es auch unterschiedliche Maximalgrenzen zu Lithiumgehalt (z. B. 3 g) und Akkukapazität (z. B. 160 Wh) geben. Bei AirAsia, Vasco, Vietnam Airlines und Bangkok Airlines war das alles selbst mit der großen Mavic 2 Pro gar kein Problem.

Drohnengesetz in Vietnam: Was Du darfst und was nicht

Darf ich in Vietnam mit der Drohne fliegen?

Ja!

Nach der CAAV (Civil Aviation Authority of Vietnam) darfst Du mit einer Drohne fliegen.
Du darfst nicht über Menschen fliegen, keine radioaktiven, entflammbaren oder explosiven Stoffe mit dem Copter transportieren.

Was Du nicht tun solltest:
Ich würde Dir raten, dieselben Regeln anzuwenden, wie Du sie in Deutschland kennst. Also…

  1. Nicht höher als 100 Meter fliegen.
  2. Nicht außerhalb der Sicht fliegen.
  3. Nicht über sensiblen Objekten fliegen (Polizei, Militär, …)
  4. Nicht über Menschen(-ansammlungen) fliegen. Ja, dazu gehört nach meiner Meinung auch der Strand.
  5. Nicht innerhalb der No-Fly-Zones von Flughäfen etc. fliegen.
  6. Nicht in Naturschutzgebieten oder Nationalparks fliegen, besonders dann, wenn es per Schild verboten ist.

Genehmigung in Vietnam: Das ist der formale Weg

Anhang des Dekret 79/2011 / ND-CP zum Drohne fliegen in Vietnam

Antragformular des Dekrets Anhang des Dekret 79/2011 / ND-CP. Viel Spaß beim Ausfüllen 😀

Um legal mit der Drohne in Vietnam fliegen zu dürfen, benötigst Du eine Genehmigung (Permit) vom Verteidigungsministerium. Das entsprechende Antragsformular ist dem Dekret 79/2011 / ND-CP angehängt. Dieses füllst Du aus, fügst alle Spezifikationen der Drohne hinzu und sendest es per Fax oder per E-Mail ab. Am besten hängst Du noch Kopien der international gültigen Haftpflichtversicherung und, falls Du einen besitzt, einen Kenntnisnachweis, an.
14 Tage vor der Reise solltest Du es absenden, allerdings sind meine Erfahrungen diesbezüglich wenig erbaulich.

Den Antrag kannst Du schicken an:


E-Mail: info@mod.gov.vn
Fax: +84 (0)69 533105
Postalisch: 1 Nguyen Tri Phuong street, Ba Dinh district, Ha Noi

Mindestens 14 Tage vor Einreise. Ich empfehle einige Monate.

Genehmigung bekommen oder nicht? Mein Antragsprozess

Meinen Antrag auf eine Flugerlaubnis in Vietnam habe ich 3 Monate vor Reisebeginn abgeschickt und nie eine Antwort erhalten. Ob als Fax oder E-Mail, es gab weder eine Ablehnung noch eine Genehmigung. Das ist wohl der übliche Weg des Scheiterns, von dem viele Piloten berichten. Ich habe sogar bei der vietnamesischen Botschaft in Deutschland angerufen, das brachte aber auch nichts.
Ich habe mein ausgefülltes Antragsformular in Vietnam stets bei mir gehabt, wenn ich mit der Drohne unterwegs war. Just in case 🙂

Keine Erlaubnis bekommen — fliegen oder nicht?

Tja, gute Frage. Als Polizistensohn war das illegale Fliegen schon ein unangenehmer Schritt und ich war beim ersten Flug auch extrem angespannt. Es kümmert aber echt niemanden, sodass ich am Ende der Reise ganz entspannt war. Ob Du das Risiko jedoch eingehen willst, musst Du entscheiden. Es kann je nach Situation mit Sicherheit teuer und unangenehm werden.

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Wie sieht die Realität in Vietnam aus?

Wenn Du mit der Drohne in Vietnam fliegen willst, wirst Du an touristischen Orten nicht alleine sein. Ich habe in allen größeren Städten andere Leute fliegen sehen, teilweise auch extrem risikoreich und rücksichtslos.

Die meisten Drohnen habe ich in Hoi An, bei Einbruch der Dämmerung gesehen. Die Szenerie ist wirklich schön, eine beleuchtete Stadt, kleine Boote mit Lampions wuseln im Fluss herum und in der Mitte eine hell erleuchtete Fußgängerbrücke. Da können dann gerne mal 5,6 Copter direkt über den Menschenmassen schweben, was irgendwie auch niemanden stört.

An abgelegenen Orten, wie zum Beispiel den Central Highlands, entlang des Ho Chi Minh Pfades oder auf Inseln in der Halong Bucht konnte ich fliegen, ohne eine Menschenseele zu stören. Da ja keine Polizei vor Ort ist, habe ich einfach den „Ortsvorsteher“, also den Betreiber des Lokals, einen Guide oder manchmal einfach die Ticketverkäufer oder Parkplatzwächter gefragt, ob es okay ist. War es immer. An anderen Orten, z. B. Kambodscha würde ich das nicht machen, da man dort, so habe ich gehört, gerne mal von Locals an die Polizei verpfiffen wird und der Tippgeber einen Teil der Strafzahlung erhält.

Damit sind wir beim Thema Strafe. Staatsbedienstete sind in Vietnam knäpplich bezahlt und sind deshalb daran interessiert, Sachen vor Ort und unter der Hand zu regeln. Besonders stark zeigt sich das vor den Tet Holiday, wenn jedermann ins Heimatdorf fährt und die Reisekasse aufgefüllt werden muss. Da ich just in dieser Zeit unterwegs war, habe ich immer nur rund 100.000 VND (rund 4€) im Portemonnaie und weitere 200.000 in einer Gürteltasche. So konnte ich, in dem einzigen Fall, als ich mal Strafe zahlen musste, glaubhaft versichern, dass ich nicht mehr Geld dabei habe. Damit war das Problem dann auch aus der Welt, nicht einmal die Bilder musste ich löschen.

Luftaufnahmen meiner Vietnamreise

4 Sneaky Tipps für „Ich bin doch gar nicht geflogen“-Lügner

Wie Du an meinen Erfahrungen erkennst, habe ich mich auch nicht immer an Recht und Gesetz gehalten. Mea culpa. Ich muss aber auch sagen, dass ich immer äußerst bedacht und konservativ geflogen bin und stets leibliches Wohl als auch Störung von anderen Menschen und Natur bedacht habe. Zudem war ich extrem frustriert, da ich ja den Antrag mehrmals zeitlich konform (3 Monate vorher!) und inhaltlich äußerst detailliert und korrekt eingereicht habe.

Trotzdem begleitet einen in Vietnam ja auch die Angst, in einem doch etwas anders tickenden Land (Kommunismus, sehr starke und regide Staatsorgane) belangt zu werden — selbst wenn man eine Erlaubnis hat! Lokale Ordnungswächter finden besonders kurz vor den Tet Holidays überall einen Ansatz, (willkürliche) Strafgelder zu verhängen. Daher habe ich folgende Tricks angewandt, um im Notfall aus der Patsche zu kommen.

Meine 4 „Sneaky Tipps“:

  1. Leere SD-Karte in die Drohne einsetzen
  2. Vietnam-Bilder aus dem Smartphone löschen
  3. In DJI GO App (oder im Fall der DJI Mavic Mini DJI Fly App) die lokal gespeicherten Flightlogs (Flugaufzeichnungen) löschen.
  4. Habe immer ein kleines Handgeld parat.

Ich möchte meine Erfahrungen und Tipps nicht als Anleitung zum Regelbruch kommunizieren oder verstanden wissen. Ich ermutige alle Reisenden sich an Recht und Gesetz zu halten und mit Verstand und Rücksicht zu fliegen. Vietnam ist wunderschön, die Menschen auf raue Weise herzlich und echt. Respektiert sie und ihre Regeln. Manchmal jedoch, so meine Erfahrung, muss man sich in diesem Land in Grauzonen bewegen, um überhaupt fliegen zu können.

Auch kann und will ich nicht behaupten, dass die hier dargestellten Informationen einen rechtsgültigen Charakter haben. Ich habe sie nach bestem Wissen und Gewissen gesammelt.

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